Weibliche Lust in den Wechseljahren
- Vera Plattner Buser

- 24. Nov. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Nov. 2025
Hier erfährst Du warum Frauen viel lustvoller sind als gedacht
Ein liebevoller Blick auf weibliche Lust, das Gas-und-Bremse-Prinzip und die Kunst, sich selbst wieder zu spüren

Vielleicht kennst Du diesen Moment. Du sitzt da und fragst Dich:
"Früher war da mehr. Was ist passiert?"
Die Lust ist irgendwie anders als früher. Irgendwo zwischen Alltag, Langzeitbeziehung, Hormonen und Erschöpfung hat sie sich zurückgezogen.
Und Du fragst Dich, ob das einfach so ist, wenn man älter wird?
Ob etwas "nicht stimmt" mit Dir.
Oder vielleicht denkst Du auch :
"Mit meiner Lust stimmt etwas nicht."
Doch gleichzeitig spürst Du manchmal einen Hauch davon, ein Moment, eine Berührung, ein Lächeln.
Und plötzlich ist sie da, diese lebendige Wärme, die Du schon fast vergessen hattest. Dein Herzklopfen und das ist sie wieder die Lust auf Lust.
Was, wenn ich Dir sage:
Mit Dir ist alles in Ordnung. Du bist nicht "lustlos".
Du bist lustvoll nur anders, als uns erzählt wurde.
In diesem Blog erfährst Du
→ Warum der Mythos der "lustlosen Frau" wissenschaftlich widerlegt ist
→ Wie weibliche Lust wirklich funktioniert (und warum das kein Defizit ist)
→ Was Emily Nagoskis "Gas-und-Bremse"-Prinzip über Deine Lust verrät
→ Was Lust wirklich braucht, um sich zu entfalten
→ Zwei kraftvolle Fragen, die Deine Lust-Landkarte zeichnen
Der Mythos der "lustlosen Frau"
Der Satz "Frauen haben weniger Lust als Männer." ist falsch
Diesen Satz hören wir immer wiesder in Zeitschriften, in Gesprächen, manchmal sogar in Therapieräumen.
Er hat sich tief in unser kollektives Bewusstsein eingegraben.
Doch er ist falsch.
Über Jahrzehnte wurde Frauen eingeredet, sie seien "kompliziert" und/oder "lustlos".
Die Forschung zeigt etwas anderes:
In klassischen Laborstudien wurde die körperliche Erregung von Frauen gemessen, während sie erotische Stimuli sahen. Parallel wurden sie gefragt, ob sie Lust spüren?
Das Erstaunliche:
Ihr Körper reagierte oft deutlich stärker, als sie es subjektiv angaben.
Diese Diskrepanz zeigt:
Frauen sind sehr wohl lustvoll
nur wird diese Erregung nicht immer bewusst als "Lust" wahrgenommen.
Nicht, weil sie weniger fühlen, sondern weil sie gelernt haben, ihre Körperreaktionen zu überhören.
Studien zeigen: Der weibliche Körper reagiert oft stärker auf Reize, als Frauen es subjektiv wahrnehmen. Die Übereinstimmung zwischen körperlicher und wahrgenommener Erregung liegt bei Frauen bei etwa 0.44, bei Männern bei 0.66. Das ist kein Mangel an Lust sondern ein Zeichen dafür, dass weibliche Lust komplex ist und mehr als nur körperliche Reaktion braucht.
"Mit Dir ist alles in Ordnung. Deine Lust funktioniert nur anders – und das ist völlig normal."
Wie weibliche Lust wirklich funktioniert: Das Gas-und-Bremse-Prinzip
Die Sexualwissenschaftlerin Emily Nagoski beschreibt in ihrem Buch "Come As You Are" Das "Gas-und-Bremse"-Modell vom amerikanischen Sexualwissenschaftler Eric Jansen, der dieses zusammen mit seinem Kollegen John Bancroft entwickelte und als «Dual Control Model» (Modell der dualen Kontrolle) bezeichnet, es ist ein spannendes Modell, das erklärt, warum weibliche Lust so komplex ist:
Unser sexuelles System funktioniert wie ein Auto mit Gaspedal UND Bremse.
Das Gaspedal: Sexuelle Beschleuniger (Sexual Excitation System) reagiert auf alles, was Lust auslösen kann
• Eine liebevolle Berührung
• Ein verführerischer Blick
• Eine erotische Fantasie
• Ein bestimmter Duft
• Ein Gefühl von Verbundenheit
Das Gaspedal sagt: "Ja! Das könnte lustvoll sein!"
Die Bremse: Sexuelle Hemmer (Sexual Inhibition System) reagiert auf alles, was Lust verhindert
• Stress und Erschöpfung
• Ungelöste Konflikte
• Zeitdruck und To-Do-Listen
• Das Gefühl von Unsicherheit
• Sorgen um den Körper
• Angst, nicht zu genügen
Die Bremse sagt: "Moment! Jetzt ist nicht sicher/entspannt/richtig genug."
Hier kommt der entscheidende Punkt: Bei vielen Frauen ist die Bremse empfindlicher als bei Männern. Das bedeutet nicht, dass weniger Lust da ist, sondern dass mehr Faktoren die Lust hemmen können.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Eine Klientin erzählte: "Mein Partner berührt mich liebevoll (Gaspedal). Aber gleichzeitig denke ich an den Streit von heute Morgen, die unbezahlten Rechnungen und dass ich morgen früh raus muss (Bremse).
Mein Körper kann gar nicht reagieren – die Bremse ist stärker."
Das ist keine Fehlfunktion. Das ist Schutzmechanismus. Dein Nervensystem prüft: "Bin ich sicher? Kann ich mich hingeben?" Und wenn die Antwort "nein" lautet, bleibt die Bremse angezogen.
Kontextsensibilität
Warum der Rahmen so wichtig ist beschreibt Emily Nagoski mit einer wunderbaren Metapher:
Stell Dir eine Ferienstraße mit vielen Restaurants vor. Manche Menschen – oft Männer – sehen den Italiener und gehen direkt hinein. Zack, Entscheidung. Andere – oft Frauen – nehmen die ganze Straße wahr: den Inder, den Franzosen, die Stimmung, die Düfte, das Licht. Sie brauchen mehr Zeit, mehr Eindrücke, mehr Kontext.
Das ist keine Unentschlossenheit, sondern Kontextsensibilität. Übertragen auf Lust heißt das: Viele Frauen reagieren auf viele kleine, feine Impulse. Damit daraus bewusste Lust wird, braucht es Zeit, Sicherheit, Stimmung das Drumherum.
Studien zeigen: Frauen können gleichzeitig erregt und gehemmt sein. Lust entfaltet sich dann, wenn der Körper genug Signale von Sicherheit bekommt, um die innere Bremse zu lösen. Das ist kein Defizit. Das ist eine andere, ebenso gültige Form von Sexualität.
Die gute Nachricht:
Du kannst lernen zu erkennen, was bei Dir auf Gas und was auf Bremse drückt.
Und genau das ist der erste Schritt zu mehr Lust und dann gibt es noch einiges mehr, dass du tun kannst, doch Schritt für Schritt.
Was Lust wirklich braucht
Lust entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie braucht Raum, Zeit, Sicherheit und oft auch mentale Freiheit.
Sicherheit
Ein Gefühl von emotionaler und körperlicher Geborgenheit. Denn wenn das Nervensystem im Alarmzustand ist, durch Stress, Unsicherheit oder ungelöste Konflikte schaltet der Körper die Lust ab.
Das ist keine Schwäche, sondern eine biologische Schutzfunktion.
Zeit
Lust braucht manchmal Zeit, um zu entstehen. In einer Welt, die uns ständig in Eile hält, fehlt dieser Raum oft. Das bedeutet nicht, dass die Lust fehlt sie braucht einfach mehr als fünf Minuten.
Absichtslosigkeit
Hier wird es besonders wichtig: Wenn Berührung, Nähe oder Intimität zu direkt auf ein Ziel ausgerichtet sind wenn zu viel Absicht dahinter steht, vergeht die Lust. Lust entsteht oft gerade dann, wenn wir loslassen. Wenn wir spielerisch sind, neugierig, ohne Plan.
Mentale Freiheit
Wenn der Kopf voll ist mit To-Do-Listen, Sorgen oder emotionaler Last, bleibt wenig Platz für Lust. Das ist keine Ausrede, sondern eine Realität, die viele Frauen täglich erleben. Mir tut es oft gut auch mal die eignen vier Wände zu verlassen, dann bin ich im Kopf freier.
Verbindung
Für viele Frauen entsteht Lust nicht isoliert, sondern in Beziehung. Sie ist verwoben mit dem Gefühl, gesehen, gehört und wertgeschätzt zu werden.
Die kanadische Sexualwissenschaftlerin Lori Brotto konnte in mehreren Studien nachweisen, dass Frauen, die Achtsamkeitstraining absolvierten, ihre körperliche Erregung besser wahrnehmen konnten und mehr Lust erlebten.
Achtsamkeit ist also nicht nur ein spirituelles Konzept, sondern ein wissenschaftlich belegter Weg zu mehr Genuss.
Lust verändert sich über das Leben und das ist normal
Etwas, das ich in meiner Arbeit und auch selbst immer wieder erlebe: Lust ist nicht statisch. Sie entwickelt sich.
Was Dir vor zehn Jahren Lust bereitet hat, muss Dich heute nicht mehr ansprechen.
Und das ist völlig in Ordnung.
Je nach Lebensabschnitt, Lebenssituation, Beziehung
Deine Lust darf und wird sich wandeln.
Du darfst neue Lustquellen für Dich entdecken.
Du darfst Dinge loslassen, die früher wichtig waren.
Du darfst neugierig bleiben auf das, was jetzt gerade für Dich stimmig ist.
Eine Klientin erzählte mir einmal: "Jahrelang dachte ich, mit mir stimmt etwas nicht, weil ich so wenig Lust habe. Doch dann habe ich verstanden: Ich brauche einfach andere Bedingungen. Wenn ich mich sicher fühle, wenn mein Partner mir Zeit gibt, wenn ich nicht unter Druck stehe dann ist die Lust plötzlich da. Sie war nie weg. Ich hatte nur nie gelernt, auf sie zu warten." Was sie entdeckte, ist eine alte Wahrheit:
Wir können unsere Lust kultiviren, erforschen und förderen
Lust ist nicht etwas, das wir "haben" oder "nicht haben".
Sie ist etwas, das wir kultivieren, erforschen und leben können und auch selbst unterstützen indem wir uns über die Bedinungen, die wir brauchen bewusst sind und wissen, wie wir unseren Körper einsetzen können.
Zwei kraftvolle Fragen von Esther Perel
Die Psychotherapeutin und Beziehungsforscherin Esther Perel gibt uns zwei einfache, aber kraftvolle Fragen mit auf den Weg:
What turns you on? – Was macht Dich lustvoll?
In welchen Momenten, Situationen, Stimmungen?
Was brauche ich, damit Lust sich zeigen kann?
Gibt es Dinge, die mich lustvoll machen und was sind sie genau?
What turns you off? – Was hemmt Deine Lust?
Was drückt bei mir auf die Bremse?
Was hemmt meine Lust?
Gibt es Momente, in denen Lust gar nicht willkommen ist? Warum?
ÜBUNG: Deine Lust-Landkarte
Nimm Dir 10 Minuten Zeit und beantworte diese Fragen für Dich ehrlich, neugierig, ohne Bewertung. Schreib Deine Antworten auf. Nur für Dich.
Diese "Lust-Landkarte" hilft Dir:
• Deine Bedürfnisse zu verstehen
• Zu erkennen, was bei Dir auf Gas drückt
• Zu erkennen, was bei Dir auf die Bremse drückt
Ausserdem kannst Du diese Erkenntnisse später für Dich zu nutzen und sie vielleicht auch Deinem Lieblingsmenschen kommunizieren.
Falls Du keine Antworten hast oder eintauchen möchtest in das was Dich erregt, dann mach mein Zündstoff-Quiz!
In wenigen Minuten erfährst Du noch genauer, was Dir Lust macht und was nicht.
Es ist spielerisch, ehrlich und schenkt Dir konkrete Impulse für Deine Sexualität.
Zum Zündstoff-Quiz:
Lust ist lernbar
Vielleicht fragst Du Dich jetzt:
"Das klingt alles gut. Aber wie setze ich das konkret um?"
Die gute Nachricht: Lust ist lernbar. Sie ist trainierbar – durch Bewegung, Atmung, achtsame Berührung und das bewusste Erkunden Deines Körpers.
In meinem nächsten Blog 5 vom 12. Dezember beschreibe ich Dir einige Möglichkeiten, wie Du Deine Lust Schritt für Schritt wieder entdecken kannst.
Mit praktischen Impulsen, Körperübungen und konkreten Anleitungen.
Bis dahin: Beginne damit, Dich selbst zu beobachten.
Was drückt bei Dir aufs Gas? Was auf die Bremse? Diese Selbstkenntnis ist der erste, wichtigste Schritt.
Ausblick
Vielleicht kennst Du jemanden, der oder die sich nach genau dieser Art von Verbindung sehnt. Leite diesen Beitrag gerne weiter.
Am 12. Dezember erscheint die nächste Perle.
Möchtest Du persönliche Begleitung?
Wenn Du Dir Unterstützung wünschst, lade ich Dich herzlich zu einem kostenlosen Kennenlerngespräch ein. Gemeinsam schauen wir, wie ich Dich auf Deinem Weg begleiten kann.
Hier kannst Du einen Termin aussuchen:
Vielleicht beginnst Du heute damit, Dir die Fragen zu stellen. Vielleicht spürst Du schon morgen: Da ist sie, diese lebendige Wärme.
Deine Lust ist nicht weg. Sie wartet nur darauf, dass Du ihr Zeit, Raum und Aufmerksamkeit schenkst.
🩵 Sei neugierig und lass Dich berühren.
Von Herzen, Vera
Blog Artikel 4 • 24. November 2025
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Sei neugierig und lass Dich berühren.
Herzlich
Vera










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